Der Ansturm auf die sächsischen Hochschulen ist auch im Wintersemester 2011/2012 ungebrochen. Damit reiht sich Sachsen in das bundesweite Bild der ansteigenden Studierendenzahlen an den Hochschulen ein. Die Entwicklungen sind nicht neu, denn seit Anfang der 90er Jahre ist ein kontinuierlicher Zuwachs von Student*innen in Sachsen zu verzeichnen. Doch die logische Konsequenz, bei steigender Nachfrage auch das Angebot zu erhöhen, bleibt aus. Stattdessen sollen an Sachsens Hochschulen ca. 1000 Stellen bis zum Jahr 2020 gestrichen werden.
Anlässlich der Mitgliederversammlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) demonstrierten am heutigen Dienstag mehr als 9000 Studierende in Leipzig. Das Motto "KEINE Stimme ohne uns! Für eine demokratische Bildungspolitik" holte Protestierende aus dem gesamten Bundesgebiet auf die Straßen Leipzigs.
Heute demonstrierten in Leipzig über 10.000 Menschen gegen die Versammlung der Hochschulrektorenkonferenz. Die hrk, die sich selbst als „Stimme der Hochschulen“ bezeichnet, traf sich zu ihrer Mitgliederversammlung. Der Presseerklärung der hrk zufolge haben die Hochschulen alles richtig gemacht und die Schuld liege allein bei den Ländern. Das sehen die demonstrierenden StudentInnen definitiv anders.
Am 23. und 24. November tagt die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Leipzig. Sich selbst als die Stimme der Hochschulen bezeichnend, ist die HRK eine nicht legitimierte Lobbyorganisation. Sie tritt beispielsweise für Studiengebühren und Zulassungsbeschränkungen ein und ist maßgeblich an der Umsetzung des Bolognaprozesses in Deutschland beteiligt. Nun hat die HRK kurzfristig Studierende für ihre Tagung angefragt, um mit ihnen in einen Dialog zum Thema Bologna zu treten.
Nachdem im vergangenen Sommer mehr als 270000 Menschen in ganz Deutschland im Zuge des Bildungsstreiks gegen die Missstände im Bildungssystem protestierten, breiten sich die in Österreich aufgeflammten Proteste in den letzten Tagen international aus. Insgesamt wurden mehr als 30 Hochschulen besetzt, davon allein 24 in Deutschland.
Die Forderungen umfassen sowohl konkrete Veränderungen im Hochschulsystem, die unter dem Schlagwort "Bologna-Prozess" die Neufassung der Studiengänge zu einem einheitlichen Bachelor-/Master-System betreffen, als auch gemeinsam mit SchülerInnen, Lehrenden und Erziehenden entwickelte Verbesserungen mit sozialer Tragweite: freie Entfaltung in der Bildung statt Leistungsdruck und frühzeitiger Selektion, Übernahme in den Ausbildungsberuf und Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems.
Der Allgemeine Studierendenausschuss der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel organisiert einen Unterstützungs-Konvoi in Richtung der protestierenden Studierenden in Österreich.
Als Reaktion auf die Entwicklungen im Bildungsbereich schließen sich diverse Gruppen des „Bundesweiten Bildungsstreiks“ in Deutschland mit weiteren aktiven Bewegungen aus aller Welt zusammen, um gegen die Missstände und die Ökonomisierung von Bildung vorzugehen und für freie und emanzipatorisch ausgerichtete öffentliche Bildungssysteme zu streiten.
Seit einer Woche haben Studierende begonnen, zentrale Hörsäle in Hochschulen wie Potsdam, Münster, Heidelberg, Marburg, München, Paderborn, Darmstadt, Mönchen-Gladbach, Greifswald, Dresden und Tübingen zu besetzen. Weitere Besetzungen sind geplant. Der Bundesweite Bildungsstreik hat damit eine neue Qualität erreicht. Dies zeigt, dass die Betroffenen sich weiterhin wehren und für eine freie, selbstbestimmte Bildung zu kämpfen bereit sind.